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Europa-Wahlmüdigkeit Nein Danke - 34 Jugendliche in Brüssel

10.05.2019 CJD Rhein-Pfalz/Nordbaden « zur Übersicht

Vom 10. bis 12. April 2019 waren 34 Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren aus berufsbildenden Maßnahmen aus den Standorten Ludwigshafen, Neustadt, Germersheim, Pirmasens und Karlsruhe mit vier Betreuern in Brüssel und Luxemburg. Auf Einladung des scheidenden Europa-Abgeordneten Michael Detjen hatten die jungen Menschen in Brüssel die Gelegenheit, noch vor der Europawahl das Europa-Parlament der 28 Staaten zu erleben. Viele der Jugendlichen sind in diesem Jahr zum ersten Mal aufgefordert, ihre Stimme bei der Kommunal- und Europawahl abzugeben. „Mit dieser politischen Bildungsreise will das CJD Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit von jungen Menschen gegensteuern“, so Sabine Anderweit, Fachbereichsleiterin für die berufliche Bildung Jugendlicher im CJD.

Es standen drei mit Terminen vollgepackte Tage an. Am 10. April ging es mit dem Bus früh am Morgen los in Richtung Schengen-Museum in Luxemburg. Dort im Mittelpunkt steht die Geschichte und Bedeutung der Schengener Übereinkommen, die ein positives Symbol für die Abschaffung von Grenzen in Europa geworden sind. Unsere Jugendlichen kennen nur ein Europa ohne Grenzen. Wie dieser lange Weg beschritten wurde verdeutlichten zwei sachkundige Guides in einer exklusiven Führung. Zum Ende „verewigte“ sich die Gruppe mit einem gravierten Schloss das ein einer eigens dafür geschaffenen Skulptur der Erinnerung angehängt wurde.

Nach einem kurzen Snack ging es auch zügig weiter nach Brüssel. Die lange Reise und die Erlebnisse haben die Teilnehmenden und die Betreuer gefordert aber auch aufgeputscht. So ging es nach einer kurzen Pause zum Frischmachen direkt weiter. Es galt eines der Wahrzeichen von Brüssel zu erkunden. Das Atomium war nach einem kurzen Fußmarsch zu erreichen und musste in Augenschein genommen werden. Bei mittlerweile schöner Abendsonne wurde auf dem Gelände der Weltausstellung Expo 58 dieses außergewöhnliche Bauwerk besichtigt.  

Auch am drauffolgenden Tag ging es früh am Morgen los. In diesem Jahr feiert die NATO ihren 70. Geburtstag. Grund genug, um das Hauptquartier zu besuchen, da sie neben dem Projekt Europa eine wichtige Rolle bei der friedlichen Entwicklung und dem Zusammenwachsen der Nationen auf dem Kontinent spielt. Herr Volker Herzog von der ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der NATO nahm sich Zeit für die CJDler und führte sie übers Gelände. Seine Erklärungen über die Arbeitsweise und den Auftrag der NATO stieß auf eine interessierte Zuhörerschaft. Alle waren von der beeindruckenden Architektur des Gebäudes im Inneren, wie außen überwältigt. Wir erfuhren, dass über 4.000 Menschen jeden Tag dafür arbeiten, dass wir in Europa in Frieden und Sicherheit leben können. Da auch der Abgeordnete Michael Detjen das Besuchsprogramm des CJD sehr interessant fand, hat er sich der Gruppe angeschlossen und wurde dort schon mit Fragen bombardiert.

Im Anschluss ging es dann auch gleich weiter ins Parlamentsgebäude, wo uns Detjen seine Arbeit als Abgeordneter und die des Europäischen Parlaments erläuterte. Schon nach kurzer Zeit kamen von den Jugendlichen konkrete Fragen zum Artikel 13 des kürzlich verabschiedeten Urheberrechtsgesetzes. Viele Jugendliche sorgten sich über die Zukunft des freien Internets und der Möglichkeit sich zu informieren, bzw. selbst zu posten und in eigenen Artikeln zu zitieren oder sich auf andere Texte zu berufen. Sie fürchteten, dass die technischen Filter eine freie Meinungsäußerung in Blogs und Foren verhindern und so der freie Austausch von Meinungen behindert wird. Detjen nahm die Befürchtungen sehr ernst und bezog dazu Stellung. Er räumte ein, dass er selbst dieses neue Gesetz nicht in Gänze kenne und er sich hier bei der Abstimmung darüber auf die Experten in seiner Fraktion verlassen musste. Wie in normalen Firmen auch besteht im Parlament eine Form der Arbeitsteilung und das mit Kolleginnen und Kollegen aus 28 Ländern. 

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es einige Meter über die Straße. Dort wurden wir schon von Klaus Enzmann erwartet, er ist bei der Europäischen Kommission mit zuständig für die Klimapolitik. In seinem Vortrag ging er auf die klimapolitischen Ziele der EU-Kommission ein und erläuterte die globale Zusammenarbeit Europas, z.B. mit China. Der hohe Energiebedarf Chinas und die Erzeugung von elektrischer Energie mit Kohlekraftwerken haben durch die Emissionen auch Einfluss auf die Politik in Europa. Im Angesicht der „Fridays-for-Future-Demos“ kam auch hier ein lebhaftes Gespräch mit den Teilnehmenden und Enzmann zustande. Viele der Teilnehmenden waren auch vom Tagungsraum beeindruckt. Sie durften dort mit den Verantwortlichen sprechen, wo sich normalerweise die Politiker aus der ganzen EU unterhalten. Natürlich waren auch wieder Spielkinder da, die nach kurzer Zeit herausgefunden haben, wie sich die Konferenztechnik mit den Mikrofonen und Videokameras für einen Spaß nutzen lässt. 

Nach einem anstrengenden und informationsreichen Tag war dann endlich Freizeit angesagt. Die Teilnehmenden erkundeten solo oder gemeinsam mit den Betreuern aus den Standorten die Brüsseler Innenstadt.

Am Freitag besuchten die Teilnehmenden das Parlamentarium, das Besucherzentrum des EU-Parlaments. In dieser interaktiven Ausstellung ist die Entstehungsgeschichte der Europäischen Union bis heute dargestellt. Museumspädagogisch sind die verschiedenen Stationen sehr gut aufgearbeitet. Jeder Teilnehmende bekam einen Audio-Guide und mit Hilfe von Codes an den verschiedenen Stationen konnten so die Informationen entweder auf dem Display gelesen oder über Kopfhörer angehört werden. Großer Beliebtheit erfreuten sich die Informationsfilme über die EU und die zahlreichen interaktiven Ausstellungsobjekte. Es gab viel zu entdecken und zu erleben. 

Nach dem Besuch im Parlamentarium war es Zeit die Rückreise anzutreten. Damit die Busfahrt nicht zu lang wird und die Teilnehmenden noch die Gelegenheit haben, sich zwischendurch noch die Beine zu vertreten, haben wir einen Boxenstopp in Luxemburg Stadt eingelegt. Luxemburg gilt als die Geburts- und „heimliche Hauptstadt“ der EU. Hier haben sich wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg Vertreter von Deutschland und Frankreich getroffen, um zu beraten, wie in Zukunft Kriege auf dem Kontinent zu verhindern sind. Schnell stellten sie fest, dass Völker, die miteinander Handel treiben und sich auch gegenseitig kontrollieren, sich weniger feindselig gegenüber stehen. So kam es zur Gründung der Montanunion, dem Vorläufer der heutigen Europäischen Union. Die Teilnehmenden erkundeten auf eigene Faust einige historische Stätten und genossen bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein den Rundgang durch die Geschichte. Dann ging es ab nach Hause und gegen 20:30 Uhr kamen die Teilnehmer müde, aber um viele interessante und wertvolle Erfahrungen reicher wieder zuhause an.